Routenplanung in Dohuk, Irak (13.06.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Mit dem Zug nach Syrien

Auch in den heutigen Zeiten der von Touristenmassen überfüllten Billigflieger kommt man mit dem Zug noch weiter, als der eine oder andere vermuten mag. Und doch hat wohl zum Beispiel schon jeder von der Transsibirschen Eisenbahn gehört, mit der man bis Wladiwostok an der russischen Pazifikküste kommen kann.

So weit wollen wir es hier aber gar nicht treiben. Unsere Zugreise führ uns von München nach حلب Aleppo, Syrien. Auf dieser Seite habe ich ein paar Informationen zusammengestellt, die einerseits Lust auf Zugabenteuer machen sollen und andererseits die eine oder andere drängende Frage des planenden Urlaubers beantworten soll.

Ich behandele hier nur die Strecke München - Wien - Budapest - Bucureşti - İstanbul - Adana - Aleppo, also über Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei und Syrien. Alernativ dazu sollte man sich die kürzere Strecke Wien - Budapest - Belgrad - Sofia - İstanbul oder die ebenfalls kürzere Verbindung mit dem Transbalkan ab Budapest anschauen.

Als reine Fahrzeit kann man mit etwa 80 Stunden bis Aleppo inklusive der diversen Verspätungen rechnen. Benutzt man allein die Standardverbindungen zwischen den Hauptstädten, welche zeitlich zueinander teils nicht allzu gut passen, ist man gezwungen, in Bukarest und İstanbul je eine Nacht zu verbringen. Die gesamte Strecke ist somit nicht unter 6 Tagen zu machen. Spart man sich Bukarest und greift auf den Transbalkan zurück oder fährt über Belgrad/Sofia, ist es auch in 5 Tagen zu schaffen.

Kostenmäßig kann es der Zug – sofern man es richtig anstellt – ohne Probleme mit dem Flugzeug aufnehmen. Ich bin im Sommer 2007 für etwa 160 Euro von München nach Aleppo gekommen, was angesichts von knapp 4000 Kilometern schon erstaunlich wenig ist – zumindest für deutsche Verhältnisse!

München - Budapest

Zug:EN 269 – Kálmán Imre
Abfahrt:23:45 München Hbf
Ankunft:09:08 Budapest-Keleti pu
Dauer:9:23 Stunden
Strecke:733 km
Preis:ab 29 Euro

Bis nach Budapest kommt man in der ersten Nacht recht einfach mit einem normalen EuroNight-Zug. Der Zug erreicht Budapest meist recht pünktlich mit weniger als einer Stunde Verspätung an. Mein Sitzwagen war ein Großraumwagen und daher sowohl unter dem Sicherheitsaspekt für’s Gepäck als auch wegen der nicht allzu bequemen und engen Sitze nicht gerade der gemütlichste.

Über den SparNight-Tarif der Deutschen Bahn kann man schon für 29 Euro einen Sitzplatz und für 39 Euro einen Liegewagenplatz im Sechserabteil bekommen. Jedoch sollte man hierfür nicht allzu spät buchen, da die begrenzten Kontingende meist schnell erschöpft sind. Onlinebuchung war üblicherweise immer unter buchung.nachtzugreise.de möglich, jedoch steht dort im Moment (Januar 2009), dass man die osteuropäischen Verbindung nur telefonisch oder im DB ReiseZentrum buchen kann.

Budapest - Bucureşti

Zug:D 738, D 347 – Dacia
Abfahrt:23:15 Budapest-Keleti pu
Ankunft:13:55 Bucureşti Nord Gr. A
Dauer:13:40 Stunden
Strecke:874 km
Preis:ab etwa 65 Euro

Kommt man am Morgen mit dem EN 269 in Budapest an, hat man den ganzen Tag Zeit, sich die Stadt anzuschauen, bis man am späten Abend wieder ab Keleti weiter nach Budapest fährt.

Das Gepäck kann man im Keleti-Bahnhof an der Gepäckaufbewahrung aufgeben. Diese befindet sich gleich vom EN 269 Gleis kommend auf der rechten Seite, noch weit bevor das Ende des Bahnhofs erreicht ist. Steht man hingegen am Bahnhofseingang, Blick nach innen gerichtet, hält man sich ganz links und geht gute 100 Meter vor, bis man am Eingang vorbei kommt. Die Aufbewahrung eines Rucksacks oder anderen »großen« Gepäckstückes kostet 600 HUF pro Tag. Bitte bedenken, dass die Gepäckaufbewahrung um 23 Uhr ihre Pforten schließt!

Fahrkarte
Fahrkarte

Die Fahrkarte nach Bukarest kann man sich wohl am einfachsten in Budapest holen. Direkt neben der Gepäckaufbewahrung ist der Fahrkartenschalter bzw. die Schalterhalle für internationale Verbindungen. Über den Preis von 15.810 HUF, also ca. 60 Euro, allein bis Braşov war ich höchst überrascht! (Ich habe nur bis Braşov gekauft, da ich in Rumänien eine Woche Rumfahren eingschoben habe.) Andere haben mir am dem Abend erzählt, sie haben fast exakt den selben Preis bis Bukarest bezahlt, jedoch nur, weil sie unter 26 Jahre alt waren. Mein Versäumnis, dies auch anzubringen, habe ich wohl mit etwa 10 Euro Lehrgeld bezahlen müssen. Also immer dran denken! In ganz Europa fahren Jugendliche billiger, nur der Deutschen Bahn ist die Jugend scheinbar vollkommen Schnuppe.

Reservierung
Reservierung

Die Reservierung für einen Liegewagenplatz habe ich schon zwei Wochen vorher in einem Kaffbahnhof in Italien erworben. Obwohl der Schalterbeamte es selbst nicht glauben konnte, ging das vollkommen problemlos. Kostenpunkt: 16,40 Euro. Für einen Sitzplatz wären es 3 Euro gewesen.

Die Fahrt an sich verläuft recht entspannt. Mag einem dieser Zug bezogen auf die Strecke schon langsam vorkommen, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man mit dem Zug wirklich bis nach Syrien will, es wird nämlich noch viel schlimmer. Die Grenzkontrollen in der Nacht sind im Vergleich zur späteren Türkei harmlos, man kann aber davon ausgehen, zwei bis dreimal unsanft aus dem Schlaf gerissen zu werden. Pass am besten in der Hosentasche parat haben. Mit einer Stunde Verspätung bei Ankunft in Bukarest sollte man außerdem schon rechnen.

Übrigens: Laut der DB-Fahrplanauskunft verkehrt der EN 269 ab Budapest als IC 730, IC 47 und IC 594 weiter und kommt um 23:35 Uhr in Bukarest an. Im DB-Reisezentrum konnte die Strecke jedoch nicht als Ganzes gebucht werden (macht sowieso keinen Sinn, wenn man SparNight bis Budapest will oder hat). Weitere Infos dazu habe ich nicht eingeholt, da ich den Budapest-Tag einlegen wollte.

Eine weitere Alternative ergibt sich durch den D 736 Transbalkan ab Budapest. Nimmt man diesen, erreicht man in Giurgiu den D 499 Bosphor, spart sich also Bukarest und somit einen ganzen Tag.

Bucureşti - İstanbul

Zug:D 499 – Bosphor
Abfahrt:13:24 Bucureşti Nord Gr. A
Ankunft:08:24 İstanbul Sirkeci
Dauer:19:00 Stunden
Strecke:843 km
Preis:ab etwa 39 Euro

Sollte man mit dem D 347 in Bukarest ankommen, muss man unweigerlich bis zum nächsten Tag warten, um mit dem D 499 weiterzufahren. Will man dies verhindern, sollte man sich eher eine andere Verbindung von Budapest nach Bukarest suchen als eine andere nach İstanbul. Andererseits stellt sich dann auch die Frage, warum man nicht gleich über Belgrad/Sofia oder die oben erwähnte Alternative mit dem D 736 Transbalkan ab Budapest fährt, wenn man Bukarest ganz aussparen will. Eine kleine Besichtigungstour durch Rumäniens Hauptstadt lohnt jedoch allemal.

Fahrkarte
Fahrkarte

Die Fahrkarte kauft man am besten im Bukarester Nordbahnhof. Die Leute haben immer da am meisten Ahnung, wo der Zug auch abfährt. Auch hier nicht vergessen, ggf. nach einem Jugendtarif zu fragen. Mein Ticket kostete 107,49 Lei und die Reservierung für den Liegewagenplatz lächerliche 17,28 Lei. Macht zusammen etwa 39 Euro. Sowohl Fahrkarte als auch Reservierung bekommt man übrigens von deutschen Maschinen gedruckt, die Fahrkarte immerhin zweisprachig, die Reservierung jedoch ausschließlich auf Deutsch. Sehr witzig!

Mit zwei Wagen geht alles los
Mit zwei Wagen geht alles los

Der Zug startet in Bukarest mit nur zwei Wagen, einem Liege- und einem Schlafwagen. Je nach Saison sollte man sich daher die Reservierung schon ein paar Tage vorher besorgen, zwei Wagen können schließlich schnell voll sein.

Schaut man sich einmal die benötigte Zeit und die gefahrenen Kilometer im Vergleich zu den obigen Strecken an, wird man sich fragen, warum man für 843 Kilometer ganze 19 Stunden braucht. Sitzt man im Zug, bemerkt man jedoch recht schnell, dass dieser an jeder Ecke und teils auch mitten in der Pampa hält, um dort dann eine halbe Stunde oder durchaus länger rumzustehen.

Hinzu kommen mehrere Grenzkontrollen. Zwar sind seit Anfang 2007 sowohl Rumänien als auch Bulgarien in der Europäischen Union, doch weiterhin werden Reisende ziemlich gewissenhaft kontrolliert. Das heißt, sowohl auf rumänischer wie auch auf bulgarischer Seite kann man mit einigem Aufenthalt rechnen.

Aufenthalt in Kapıkule
Aufenthalt in Kapıkule

Der längste Aufenthalt erwartet einen jedoch bei der Einreise in die Türkei im Bahnhof Kapıkule (natürlich nachdem kurz zuvor die Bulgaren alles kontrolliert haben). Hier müssen nachts um halb vier alle Passagiere aussteigen und sich für den türkischen Einreisestempel und ggf. auch Visa an den entsprechenden Schaltern im Freien anstellen. Achtet auf eure Sachen! Nehmt sie mit, seid als erste am Schalter und als erste zurück oder behaltet wenigstens den Waggon im Auge!

Bei unserer Ankunft in İstanbul Sirkeci beträgt die Verspätung gute zwei Stunden.

İstanbul - Aleppo حلب

Zug:Toros Ekspresi
Abfahrt:08:55 İstanbul Haydarpaşa
Ankunft:11:35 Gaziantep
Dauer:26:40 Stunden
Strecke:1391 km
Preis:ab etwa 11 Euro
Tage:sonntags, dienstags, donnerstags
Zug:(Toros Ekspresi)
Abfahrt:08:55 İstanbul Haydarpaşa
Ankunft:14:17 حلب Aleppo
Dauer:29:22 Stunden
Strecke:ca. 1500 km
Preis:ab etwa 15 (Abenteuer) bzw. 40 (Komfort) bis 55 Euro
Tage:sonntags

Der Toro Ekspresi ist heutzutage ein innertürkischer Schnellzug (über das »schnell« lässt sich durchaus streiten), der İstanbul mit Gaziantep verbindet. Seinen Namen erhält er vom Taurus-Gebirge, das er im Süden der Türkei durchquert. Er fährt dreimal pro Woche, am Dienstag, Donnerstag und Sonntag um 8.55 am Bahnhof İstanbul Haydarpaşa los.

Es gibt verschiedene Arten, mit dem Zug von İstanbul nach Aleppo zu kommen. Die einzige wirklich direkte Verbindung ist ein syrischer Kurswagen, der immer sonntags am Taurus Express dran hängt. Wer – aus welchen Gründen auch immer – diesen Wagen nicht nehmen kann oder will, dem bleibt prinzipiell nur die Möglichkeit, bis nach Adana oder Gaziantep zu fahren und von dort per Bus oder Taxi nach Aleppo weiterzureisen.

Meine persönliche Erfahrung war eine dritte Variante, nämlich normaler, türkischer Wagen des Taurus-Express bis kurz nach Adana und anschließend mit dem syrischen Wagen bis zur Grenze, von dort weiter mit Bus. Und das beste daran: Alles vom Zugpersonal organisiert und spottbillig.

Die verschiedenen Varianten sowie einige Vor- und Nachteile will ich im Folgenden besprechen.

Die Variante mit dem syrischen Schlafwagen...

... ist die einfachste und komfortabelste (und nicht zuletzt wohl aber auch langweiligste!) Möglichkeit, nach Aleppo zu kommen. Der in Deutschland gebaute Wagen bietet elf Ein- oder Zweibettabteile, ist extrem sauber, hat durchgehend (also selbst auf dem Gang) Teppichboden und wird von zwei syrischen Schaffnern begleitet. Für ein Einzelabteil muss man 93 Türkische Lira (55 Euro), für einen Platz im Zweierabteil lediglich 69 Lira (40 Euro) auf den Tisch legen.

In den offiziellen Kursbüchern wird das Ziel dieser Verbindung übrigens mit Damaskus ausgewiesen, der Schlafwagen endet jedoch definitiv in Aleppo. Der Wochentag, an dem der Schlafwagen verkehrt, ist ebenfalls definitiv der Sonntag (September 2007). Anderslautende Informationen aus der Zeit, als der Wagen noch donnerstags fuhr, wie man sie selbst auf der Homepage der türkischen Bahn TCDD teils noch findet, sind falsch!

Entgegen einer Fülle anderslautender Berichte kommt es nicht selten vor, dass der Wagen ausgebucht ist und man somit keinen Platz mehr findet. Man sollte sich also nicht wundern, wenn im Laufe der Woche für den kommenden Sonntag schon alles belegt ist. Will man wirklich sicher gehen, an einem konkreten Sonntag mit dem syrischen Wagen fahren zu können, sollte man das Ticket besser ein paar Wochen vorher besorgen lassen. Unten sind die Adressen zweier İstanbuler Reisebüros aufgeführt, die hierbei (gegen eine wohl geringe Gebühr) helfen können.

In einem türkischen Wagen des Taurus-Express

Will man in einem türkischen Wagen, also nicht mit dem syrischen Schlafwagen, fahren, so hat man mehrere Platzkategorien zur Auswahl. Es gibt einen (türkischen) Schlafwagen, zwei Liegewagen, zwei Großraumsitzwagen erster Klasse und zwei Abteilsitzwagen absolut letzter Klasse.

Die Schlaf- und Liegewagen sind hierbei in etwa so, wie man sich solche Wagen auch vorstellt. Keine großen Besonderheiten, vergleichbar z.B. mit italienischen Wagen. Die Großraumsitzwagen bieten recht bequeme und verstellbare Pullman-Seats, es kann aber, je nachdem welchen Platz man erwischt, durchaus etwas eng werden. Interessanterweise waren meiner Erfahrung nach diese Wagen auch die sozusagen ruhigsten aller türkischen Wagen, denn jeder saß brav auf seinem Platz, redete wenig und schien sich unendlich zu langweilen.

Ganz anders sieht es hingegen in den Abteilsitzwagen der zweiten Klasse aus. Hier kommen und gehen die ganze Zeit Leute, lassen einem so gut wie keine Ruhe und funktionieren das Abteil oder auch den Gang ohne Probleme mal schnell in ihr türkisches Wohnzimmer um. Elf Personen im eh schon total engen und nicht gerade allzu bequemen Achterabteil, tagsüber Familienbanden und nachts ausgestreckt liegend schlafende Leute im Gang. Dazu noch der permanent durch die Fenster eintretende Dieselgeruch von der Lokomotive sowie der nicht zu unterschätzende Lärm eben dersselben. Ob man all dies nun als abschreckend oder eher als reizvolles Abenteuer empfindet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer sich darauf einlässt, wird mit extrem viel und (vielleicht etwas zu) dichtem Kontakt zur lokalen Bevölkerung, stundenweiser Vollintegration in wechselnde Familien und einer völlig anderen Zugkultur belohnt. Sicher ist, dass man sich auf ein Erlebnis der Extraklasse gefasst machen kann, wie man es in den anderen Wagen und erst recht nicht mehr in Europa bekommen kann.

Fahrkarte
Fahrkarte

Zudem ist das auch die absolut billigste Variante, denn mit lächerlichen 19 Lira, also gerade mal guten 11 Euro, wird man zum Studententarif von İstanbul ins 1391 Bahnkilometer entfernte Gaziantep befördert. Wenn das nicht mal der Hammer ist! Normalzahlende Erwachsene müssen übrigens ebenfalls mit nur etwa 14 Euro rechnen.

Doch wie kommt man aus einem türkischen Wagen heraus nun nach Syrien?

Ist man an einem Mittwoch oder einem Freitag Vormittag unterwegs, bleibt einem eh nichts anderes übrig, als in Adana oder in Gaziantep auszusteigen. Von hier aus geht es dann mit einem (Sammel-)Taxi oder einem Bus weiter. Über die Frage, von welchem der beiden Orte man nun besser nach Aleppo kommt, scheiden sich offenbar die Geister, wobei man trotz der größeren Entfernung zur Grenze öfter Adana als Gaziantep empfohlen bekommt. Meine Mitfahrer und ich hatten uns aber schon für Gaziantep entschieden. Da ich letztendlich dann doch keine der beiden Varianten selbst ausprobiert habe, kann ich dazu auch nicht viel mehr sagen.

Ist es hingegen Montag Vormittag (weil man folglich Sonntag Morgen losgefahren ist), so gibt es möglicherweise noch eine weitere Alternative: Auch wenn man nicht im syrischen Wagen ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man da nicht mal »Gast« vorbeischauen könnte. Damit ist jetzt nicht gemeint, dass man »mal einfach rübergeht« und sich »ganz zufällig« beim Abkoppeln des Wagens noch in diesem befindet – aus unerklärlichen Gründen sogar inklusive Gepäck. Nein, so einfach geht das nicht, denn der Wagen ist im Normalfall die ganze Fahrt über mit Ketten versperrt.

Wechsel in den syrischen Wagen

Fahrkarte zur Grenze
Fahrkarte zur Grenze

Es ist offenbar sogar als vollkommen »anständiger« Reisegast möglich, in den syrischen Wagen zu Wechseln, um in diesem anschließend über die syrische Grenze zu fahren. Kurz nach Adana wurden wir in unserem türkischen Sitzwagen allerletzter Klasse von einem Kontrolleur gefragt, ob wir weiter nach Aleppo wollten. Als wir dies bejahten, sagte er, wir sollten uns bereithalten. Etwas später holte er uns und etwa zehn andere Backpacker im türkischen Teil des Zuges ab und führte die Gruppe in den syrischen Wagen. Dort konnten wir unser Gepäck im hinteren Ende »auftürmen« und uns stehend im Gang aufhalten (sofern man nicht sogar von jemandem in ein Abteil eingeladen wird). Für die Fahrt bis zur syrischen Grenze wurden 6,50 Lira verlangt, welche an der türkischen Grenzstation von einem Schaffner gegen Aushändigung eines kleinen Tickets eingesammelt wurden.

Syrischer Wagen und Güterwaggons
Syrischer Wagen und Güterwaggons

Ob nun wegen der großen Anzahl an Mehrpersonen (etwa zwölf Leute) oder aus welchem Grund auch immer, an dieser Grenzstation wurde extra für uns Backpacker sogar ein anderer türkischer Sitzwagen angekoppelt, mit dem wir kurz darauf die Grenze nach Syrien passierten. An der syrischen Grenzsation war die Reise für uns jedoch beendet, da man einen Kleinbus für unsere Gruppe organisiert hatte, mit dem es weiter bis nach Aleppo ging. (Der Busfahrer war quasi irendein Freund des syrischen Schaffners, der extra aus Aleppo kam, um uns abzuholen.) Hierfür wurden läppische 100 Syrische Pfund verlangt. Obwohl auch unsere Grenzformalitäten nicht in Minuten, sondern in Stunden zu messen waren, kamen wir etwa zwei Stunden früher in Aleppo an, als die Reisenden im Schlafwagen.

Türkische Ein- und Ausreise, syrische Einreise und Visum
Türkische Ein- und Ausreise, syrische Einreise und Visum

Inwieweit diese Möglichkeit generell besteht, kann ich natürlich nicht sagen. Bei unserer Reise am 3. September 2007 kam es uns so vor, als sei diese Abwicklung unter den Schaffnern mehr oder weniger Standard. Der eine bringt die Leute aus dem türkischen Zugteil mit, der andere nimmt sie in seinem Wagen auf. Dass später extra für uns ein Wagen angehängt wurde, kam mir aber eher wie eine Ausnahme vor. Ich denke mal, wenn es nur eine Handvoll Leute sind, dürfen diese weiter im Gang des syrischen Wagens stehen. An der syrischen Grenzstation mussten wir offenbar aussteigen, weil sonst unser türkischer Extra-Wagen nicht mehr in die Türkei zurückgekommen wäre. Trotzdem organisierten die Schaffner natürlich unsere Weiterreise per Bus, man wird also nicht im Regen (welcher Regen?!?) stehen gelassen. Sogar Geld konnten wir an diesem Grenzkaff zu einem akzeptablen Kurs wechseln, um zum Beispiel die 100 SYP für den Bus zu bezahlen. Ob die beteiligten Personen – Schaffner und wer auch immer – bei alledem in die eigene Tasche wirtschaften oder nicht, ist fraglich, sollte angesichts des geringen Preises von insgesamt etwa 5 Euro bis Aleppo für den doch sehr gut improvisierten Service egal sein bzw. kein Problem darstellen.

Aufgrund meiner persönlichen Erlebnisse, die mit dieser Variante – erst türkischer Wagen und am nächsten Morgen Wechsel in den syrischen – durchwegs positiv waren, empfehle ich diese auf jeden Fall. Die einzelnen Vor- und Nachteile sind oben ja genauer beschrieben. Natürlich ist es keine »sichere« Variante, das heißt man hat keine Garantie, wirklich im syrischen Wagen weiterreisen zu können. Ich denke aber, dass selbst wenn man nicht automatisch gefragt wird, ob man bis nach Aleppo weiter will, man durch freundliches Durchfragen und etwas südländischem Stil zu seinem Ziel kommt.

Zum Schluss noch ein paar allgemeine Hinweise zur Fahrt im Taurus-Express

Bahnhof Haydarpaşa
Bahnhof Haydarpaşa

Der Zug beginnt in İstanbul am Bahnhof Haydarpaşa, also dem großen Bahnhof im asiatischen Teil der Stadt. Dieser durch die Firma Philipp Holzmann nach Plänen von deutschen Architekten gebaute Bahnhof war Ausgangspunkt der Anatolischen Eisenbahn. Vermutlich wird man jedoch auf dem europäischen Teil seine Unterkunft haben, was bedeutet, dass man in der Früh mit dem Schiff über den Bosporus fahren muss, um den um 8.55 Uhr abfahrenden Zug zu erwischen. Da das Schiffsliniensystem in İstanbul für Fremde meiner Meinung nach nur extrem schwer bis gar nicht zu verstehen ist, sollte man sich am Tag davor möglichst genau informieren, wann und vor allem wo das richtige Schiff Richtung Haydarpaşa – oder zur Not auch Kadıköy – abfährt. Bitte mindestens fünf verschiedene Leute fragen, denn jeder wird was anderes erzählen oder vielleicht gar nicht zugeben, keine Ahnung zu haben.

Als wir am Morgen um halb acht an der Ablegestelle nach Haydarpaşa ankamen, hing ein Schild dort, dass die nächste Verbindung – entgegen aller eingeholten Auskünfte! – erst um 8.30 Uhr sei. Wer jetzt nicht weiter weiß, hat seinen Zug schon im Vorhinein verpasst! Deswegen der dringliche Hinweis, sich unbedingt im Vorhinein sehr gut bezüglich der Schiffsüberfahrt zu informieren und am besten die Fährverbindung tags zuvor schonmal ohne Zeitdruck auszuprobieren, beispielsweise um drüben das Ticket zu kaufen. Wem in der Früh die Zeit davon rennt und nicht mehr weiter weiß, sollte einfach das nächstbeste Schiff zur asiatischen Seite betreten und drüben dann mit dem Taxi zum Bahhof fahren (ca. 10 Minuten und 8 Lira).

Verspätungen minutiös mitgeschrieben
Verspätungen minutiös mitgeschrieben

Ein weiterer Fallstrick könnte einen beim Ticketkauf erwarten. Die Schalterheinis im Bahnhof Sirkeci sind größtenteils vollkommen inkompetent. Fahrkarten für nationale Verbindungen gen Osten mag man hier vielleicht noch mehr oder weniger problemlos kaufen können, doch von einem Ticket nach Aleppo haben die meisten nur vom Hörensagen etwas mitbekommen. Durchwegs wird man abgewimmelt mit dem Hinweis, Tickets nach Aleppo bekomme man nur in Haydarpaşa. Ob dies wirklich so stimmt, weiß ich nicht, denn ich habe letztlich nach mehrmaligem Erscheinen zu unterschiedlichen Tageszeiten klein bei gegeben und mich nach Haydarpaşa aufgemacht. Genau wie in Sirkeci gibt es hier auch getrennte Schalter für nationale und internationale Verbindungen.

Nicht unterschätzen sollte man außerdem die Verspätung des Taurus-Express. Auf unserer minutiös geführten Verspätungsliste sind wir zwar nie über die 100 Minuten gekommen, doch berichteten uns andere Reisende, dass auch Verspätungen von vier Stunden nicht gerade die größte Ausnahme seien.

Natürlich gibt es auf dem Zug NICHTS Essbares zu kaufen, weswegen man sich mit ausreichend Proviant, insbesondere Wasser in den heißen Monaten, eindecken sollte. An Haltestellen, wo man laut Fahrplan länger als etwa zehn Minuten hält, wird dies auch trotz aller Verspätung getan, da zum Beispiel die Lok ausgetauscht, die Tanks neu aufgefüllt oder sonstwas gemacht werden muss. Hier kann man ruhig mal den Zug verlassen und sich am Kiosk oder bei den bereitstehenden Leuten etwas kaufen. Da dies jedoch offenbar der halbe Zug vorhat, sollte man mit südländischen »Warteschlangen« vertraut sein und seine Ellenbogen einsetzen können. An Bahnhöfen, wo sogar eine halbe Stunde und mehr gehalten wird, kann man den ersten Ansturm auf den Kiosk hingegen ruhig erstmal abwarten.

Schließlich noch Infos und Links

Zum Buchen des syrischen Schlafwagens im Vorhinein empfiehlt seat61.com folgende İstanbuler Reisebüros:

  • Tur-ISTA Tourism Travel Agency
    Divan Yolu Caddesi No. 16/B, 34410 Sultanahmet, İstanbul, Türkei
    Telefon: +90 (212) 527 7085 oder 513 7119
    Fax: +90 (212) 519 3792
    E-Mail: erdemir@tur-ista.com
  • Viking Turizm
    Mete Caddesi No. 24, Taksim, İstanbul, Türkei
    Telefon: +90 (212) 334 2600
    Fax: +90 (212) 334 2660
    E-Mail: info@vikingturizm.com.tr

Letzte Änderung: Januar 2009

Aktuelles

Sonntag, 6. Mai 2012
Dienstag, 8. Mai, 13:30 Uhr
Riad, (Edge of the World), Raghbah, (Edge of the World), Riad

Saudischer Funk:
+966 569275638

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.